Auf zu neuen Horizonten – Eine Entstehungsgeschichte

Initiatoren und Verantwortliche des Schulprojektes in Marokko sind Haddou Mouzoun und Stefanie Tapal-Mouzoun.
Haddou Mouzoun ist selbst Berber aus dem Tal der Ait Bouguemez. Er verbrachte dort seine Kindheit und Schulzeit und besuchte auch die im Tal ansässige Bergführerschule.
Stefanie Tapal-Mouzoun (Itto, wie sie hier genannt wird) ist in Süddeutschland geboren und aufgewachsen und absolvierte dort ihr Innenarchitekturstudium. Mit ihrem Mann, den sie bei einem Auslandsemester in Marrakech kennen gelernt hatte, wanderte sie nach Marokko aus.
Gemeinsam leben die beiden seit 2005 mit ihren vier Kindern im Herzen des Ait Bouguemez. Sie beteiligen sich aktiv am Stammesleben sowie an Entwicklungsprojekten im Tal und setzen sich für eine nachhaltige Lebensweise und soziale Belange der Berber ein.

Die karge Realität der örtlichen Schulen liess in Stefanie-Itto und Haddou schon früh den Wunsch nach einer Verbesserung der Bildungsmöglichkeiten im Tal aufkommen.
Durch mehrere glückliche Zufälle lernten die beiden im Jahr 2007 Veronika Müller Mäder und Jürg Mäder, Schulleiter einer freien Schweizer Schule kennen. Bei einer Marokko-Bildungsreise der „Scuola Vivante Buchs“ führten sie die beiden Lehrer und ihre Schüler durch das Land, wobei sich eine grosse Sympathie und ein freundschaftlicher Kontakt entwickelten. Die gemeinsame Idee einer „Scuola Vivante“ im Ait Bouguemez reifte heran und aus einem regen Briefwechsel wuchs schliesslich eine feste Zusammenarbeit am Projekt.  

Es sollte ein Ausbildungszentrum für Kinder und Jugendliche entstehen, welches sich wie die Partnerschule in Buchs dafür einsetzt, dass die Kinder werden können, wer sie im Grunde ihres Wesens sind. Ein Ort des Lernens, an dem Menschen ihre Talente entdecken und entfalten können, um damit ihre Welt aktiv mit zu gestalten und auf die Herausforderungen der Zeit konstruktiv Einfluss zu nehmen. Es sollte eine Schule werden in welcher die Schüler marokkanische Heimatkunde und alte Berbertraditionen genauso kennen lernen wie fremde Länder, Sprachen und moderne Kommunikationstechniken (siehe auch „Philosophie“).

Die Idee konkretisierte sich und es fanden mehrere gegenseitige Besuche statt. Es wurden gemeinsam Recherchen und Bedarfsanalysen vor Ort durchgeführt und voller Elan setzten sich die Schweizer Schüler für das Zusammentragen von ersten finanziellen Mitteln ein.
In Marokko stellten Haddou und Stefanie-Itto im Jahr 2009 dann den offiziellen Antrag zur Eröffnung einer freien Schule und somit war der Grundstein für die école vivante in Marokko gelegt.

Es folgten Monate des Planens, des Zusammenstellens von Papieren, bürokratische Erledigungen, die Suche nach Finanzmitteln und nach einer geeigneten Lehrperson. Auch wurde viel Zeit investiert in die Ausarbeitung eines passenden pädagogischen Konzepts angelehnt an die Pädagogik der Scuola Vivante. 
Zeitgleich gründete Haddou Mouzoun mit weiteren Mitgliedern aus dem Tal den gemeinnützigen Verein Association Vivante welcher nun die Trägerschaft des Projektes inne hat.  

Im Sommer 2010 war es dann soweit und die école vivante startete mit einem Ferienfreizeitprogramm welches den Kindern und Jugendlichen des Tals die Möglichkeit bot gemeinsam zu spielen, zu basteln, Sport zu treiben und in liebevoller Atmosphäre die Zeit sinnvoll zu verbringen. Unter recht einfachen Umständen und in zwei leer geräumten Zimmern ihres Wohnhauses boten Stefanie-Itto und Haddou Mouzoun den Kindern einen Platz zum freien kreativen Sein. Die Nachfrage war enorm, es kamen täglich mehr als 30 Kinder und der Bedarf nach einem Ort, wo sie sich unter respektvoller Aufsicht frei entfalten können war deutlich sichtbar.

Das Interesse der Bevölkerung war nun geweckt und es war klar, dass sich genug Kinder für den Start einer Grundschule finden würden.
Gemeinsam mit der marokkanischen Lehrerin und zukünftigen Schuldirektorin Rachida ElOuahmani und mit viel Unterstützung von den Schweizer Freunden, besonders mit Hilfe aus dem reichen pädagogischen Erfahrungsschatz von Veronika Müller Mäder, wurde der Schulstart für September 2010 vorbereitet.
Als die offiziellen Anmeldungen ausgeschrieben wurden, waren schnell mehr als 40 Interessenten da. Nach einer Informationsveranstaltung für die Eltern und einer Einführung in die Philosophie der Schule waren bald 16 motivierte Schüler für die ersten beiden Grundschulklassen gefunden.
Es wurden zwei weitere Räume des Wohnhauses umgebaut, neu ausgestattet und mit Hilfe von großzügigen Spenden privater Gönner und mit hochwertigen Materialgaben des Freundeskreises in Frankreich eingerichtet.
Alles war bereit und nachdem die endgültige Genehmigung des Ministeriums da war startete die école vivante im September 2010 ihren offiziellen Unterrichtsbetrieb.


"Wir wünschen uns für dieses abgelegene Tal eine Bildungsstätte die Entwicklungsmöglichkeiten bietet und das Werkzeug vermittelt, welches jeder braucht um selbstbestimmt seinen eigenen Weg zu gehen und seinen Lebensauftrag zu erfüllen. 

Wir wünschen uns einen Ort, wo die Freude am Lernen gefördert wird und wo Menschen die Chance haben, an sich selbst zu wachsen, mutig und offen neue Wege zu gehen, die im Einklang stehen mit ihrem Selbst, ihrem persönlichen, religiösen und sozialen Hintergrund und dem traditionellen Umfeld in einer sich immer schneller ändernden Welt - auf dass jeder seinen sinnvollen Platz darin findet.

Wir wünschen uns einen innovativen und gleichzeitig nachhaltigen Ort.
Der campus vivant'e soll Modellcharakter haben, eine friedensstiftende Alternative bieten und Menschen bewegen, inspirieren und einladen mitzumachen." 

Haddou Mouzoun und Stefanie Itto Tapal-Mouzoun